# CEO-Fraud mit Deepfake: Was Firmen aus Arup lernen

> Beim CEO-Fraud mit Deepfake drängt eine geklonte Stimme oder ein gefälschtes Video einer Führungskraft Mitarbeitende zu einer eiligen, geheimen Überweisung. Die Abwehr ist organisatorisch: Jede Zahlungsanweisung per Anruf, Chat oder Video wird über einen zweiten, firmeneigenen Kanal bestätigt, und keine Führungskraft ist davon ausgenommen.

- URL: https://fake-ai.com/de/stimmen-und-betrug/ceo-fraud-deepfake/
- Sprache: de
- Aktualisiert: 2026-10-19
- Herausgeber: Fake AI (OnlineBuilders LLC, https://onlinebuilders.biz)

Januar 2024, Hongkong. Ein Finanzmitarbeiter des britischen Ingenieurbüros Arup nimmt an einer Videokonferenz teil. Auf dem Bildschirm: der Finanzvorstand des Konzerns und mehrere Kollegen. Es geht um eine vertrauliche Transaktion. Während der folgenden Tage tätigt der Mitarbeiter 15 Überweisungen auf fünf Konten, insgesamt rund 200 Millionen Hongkong-Dollar, etwa 25 Millionen US-Dollar. Alle anderen Teilnehmer der Konferenz waren künstlich erzeugt. Arup bestätigte im Mai 2024, dass gefälschte Stimmen und Bilder verwendet wurden.

Ein halbes Jahr später bekommt ein Manager bei Ferrari WhatsApp-Nachrichten von jemandem, der sich als Konzernchef Benedetto Vigna ausgibt. Es folgt ein Anruf mit einer überzeugenden Kopie von Vignas Stimme, süditalienischer Akzent inklusive. Der Manager fragt, welches Buch Vigna ihm kürzlich empfohlen habe. Der Anrufer legt auf.

Gleiche Technik, gegenteiliges Ergebnis. Den Unterschied machte keine bessere Erkennungssoftware. Es war eine Gewohnheit.

## Was CEO-Fraud mit Deepfake ist

CEO-Fraud, auch Fake-President-Betrug genannt, ist älter als generative KI. Klassisch bittet eine E-Mail, die scheinbar vom Chef kommt, um eine eilige, vertrauliche Zahlung. Sicherheitsteams antworteten mit einer einfachen Regel: im Zweifel beim Chef anrufen. Geklonte Stimmen und Live-Fälschungen im Video greifen genau diese Regel an, denn jetzt kann der Anruf selbst gefälscht sein.

Das FBI beschrieb den Wandel im Dezember 2024: Kriminelle nutzen generative KI für Echtzeit-Videochats, in denen sie sich als Führungskräfte oder Amtspersonen ausgeben. Das BSI schreibt, dass Verfahren zum Gesichtstausch inzwischen nahezu in Echtzeit laufen und für das Training nur wenige Minuten gutes Videomaterial der Zielperson brauchen ([BSI](https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Kuenstliche-Intelligenz/Deepfakes/deepfakes_node.html)). Vorstände, die Interviews geben, Keynotes halten und Analystenkonferenzen bestreiten, liefern dieses Material frei Haus.

**Der Fall Arup, wie er berichtet wurde**

- **Jan. 2024:** Mitarbeiter erhält eine Nachricht vom angeblichen Finanzvorstand in Großbritannien über eine geheime Transaktion.
- **Jan. 2024:** Videokonferenz mit gefälschtem Finanzvorstand und gefälschten Kollegen. Es folgen 15 Überweisungen auf fünf Konten.
- **Danach:** Der Mitarbeiter fragt in der Zentrale nach, der Betrug fliegt auf.
- **Feb. 2024:** Die Polizei in Hongkong macht den Fall öffentlich, ohne die Firma zu nennen.
- **Mai 2024:** Arup bestätigt, das Opfer zu sein.

Quelle: Angaben der Polizei Hongkong (Feb. 2024) und Bestätigung durch Arup (Mai 2024), berichtet von der South China Morning Post

## Warum der Mitarbeiter in Hongkong es glaubte

Nach frühen Angaben der Polizei war der Mitarbeiter bei der ersten Nachricht, die von einer geheimen Transaktion sprach, misstrauisch. Die Videokonferenz räumte die Zweifel aus. Mehrere vertraute Gesichter, die sich gegenseitig bestätigen, wirken stark. Und kaum jemand widerspricht einem Finanzvorstand vor versammelten Kollegen.

Der Angriff bündelte die Druckpunkte, vor denen jede Betrugsschulung warnt:

- Autorität: Die Anweisung kam von ganz oben.
- Geheimhaltung: Das Geschäft war vertraulich, also konnte man niemanden fragen.
- Eile: Die Überweisungen mussten schnell passieren.
- Konsens: Andere „Kollegen" in der Konferenz machten mit.

Nichts davon hängt an KI. Der Deepfake machte es nur per Video glaubwürdig.

## Warum der Versuch bei Ferrari scheiterte

Laut Bloomberg fielen dem Ferrari-Manager zuerst Kleinigkeiten auf. Die WhatsApp-Nachrichten kamen von einer Nummer, die nicht Vignas übliche war, mit einem anderen Profilbild. Die Stimme im Anruf hatte leicht mechanische Betonungen. Dann tat der Manager das Entscheidende: Er stellte eine Frage, die nur der echte Vigna beantworten konnte, nach einem Buch, das dieser ihm persönlich empfohlen hatte.

So ein Prüfschritt kostet nichts, braucht kein technisches Wissen und funktioniert gegen Deepfakes jeder Qualität. Ferrari kommentierte die Berichte nicht. Die Einzelheiten sind also berichtet, nicht offiziell bestätigt.

## Kontrollen, die auch gegen perfekte Fälschungen wirken

Geh davon aus, dass die Fälschung gut genug ist. Bau Kontrollen, die nicht davon abhängen, dass jemand sie bemerkt.

**Zahlungskontrollen gegen Deepfake-Anweisungen**

| | Stoppt einen perfekten Deepfake | Aufwand |
|---|---|---|
| Rückruf über Nummer aus dem internen Verzeichnis | ja | gering |
| Vier-Augen-Prinzip bei neuen Empfängern und geänderten Bankdaten | ja | gering |
| Wartefrist für Erstzahlungen an neue Konten | ja | mittel |
| Persönliche Frage, die nur die echte Person kennt | teilweise | gering |
| Schulung, um Artefakte zu erkennen | nein | mittel |
| Deepfake-Erkennungssoftware in Videokonferenzen | teilweise | hoch |
*Unsere Einschätzung. „Stoppt" heißt: Die Kontrolle wirkt auch dann, wenn Stimme oder Bild makellos gefälscht sind.*

Die Kernregel sollte in eine Zeile passen und für alle gelten, auch für die Geschäftsführung: **Keine Zahlung, keine Änderung von Bankdaten und keine Herausgabe vertraulicher Daten allein aufgrund eines Anrufs, Chats oder Videocalls.** Bestätigt wird immer über einen zweiten Kanal, den die Firma kontrolliert, mit Kontaktdaten aus dem internen Verzeichnis, nie aus der Anfrage selbst.

Führungskräfte müssen das öffentlich mittragen. Der Betrug funktioniert, weil Mitarbeitende fürchten, eine ranghohe Person zu verärgern. Sagt die Finanzchefin auf der Betriebsversammlung „Ich bin nie sauer, wenn ihr zur Kontrolle zurückruft", fällt dieser soziale Druck weg.

## Ein Prüfablauf zum Übernehmen

**Fünf Schritte vor jeder eiligen Zahlungsanweisung**

1. **Innehalten** Eile und Geheimhaltung sind Anlass, langsamer zu werden, nicht schneller.
2. **Kontakt beenden** Freundlich aus dem Call oder Chat gehen: Ich bestätige das und melde mich.
3. **Rückruf** Nummer aus dem Firmenverzeichnis oder Personalsystem nutzen, nicht die aus der Nachricht.
4. **Zweite Freigabe** Eine Kollegin, die nicht im Call war, gibt die Zahlung frei.
5. **Dokumentieren** Anfrage und Prüfung festhalten. Muster über Abteilungen hinweg zeigen Kampagnen.

Testet das Verfahren. Manche Firmen spielen intern harmlose Fake-Anweisungen durch, um zu sehen, ob alle den Ablauf einhalten. Wenn ihr das macht, besprecht die Ergebnisse ohne Schuldzuweisung. Ziel ist eine Gewohnheit, keine Liste von Leuten, die durchgefallen sind.

## Musterformulierung für die Rundmail

Eine Regel wirkt nur, wenn alle sie kennen. Diese Rundmail lässt sich anpassen und von der Geschäftsführung verschicken:

> Liebe Kolleginnen und Kollegen,
>
> Betrüger können inzwischen Stimmen und Gesichter von Führungskräften täuschend echt nachahmen, auch live im Videocall. Deshalb gilt ab sofort ohne Ausnahme: Zahlungen, geänderte Bankverbindungen und vertrauliche Daten geben wir nie allein aufgrund eines Anrufs, Chats oder Videocalls frei. Bestätigt wird immer per Rückruf über die Nummer aus unserem Verzeichnis und mit einer zweiten Freigabe.
>
> Das gilt auch für Anweisungen von mir. Niemand bekommt Ärger, weil er nachfragt. Ärger gibt es nur, wenn jemand diesen Schritt überspringt.

Der letzte Satz ist der wichtigste. Er nimmt den Druck aus der Situation, auf den die Täter setzen.

## Wenn das Geld schon weg ist

Minuten zählen. Ruf sofort die Betrugsabteilung der Bank an und lass jede Überweisung zurückrufen, auch die, die abgeschlossen aussehen. Auslandszahlungen hängen manchmal stundenlang bei Zwischenbanken. Dann Anzeige bei der Polizei, in vielen Bundesländern auch bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime des Landeskriminalamts.

Sichere alles: Einladung zur Konferenz, Chatverlauf, Telefonnummern, Protokolle der Videoplattform und Zahlungsbelege. Plattformen und Banken löschen Logs nach eigenen Fristen.

Informier die Belegschaft schnell und klar. Wer einmal Erfolg hatte, versucht es oft mit einer Variante erneut. Wurde das Gesicht oder die Stimme einer echten Führungskraft missbraucht, warn auch Partner und Kunden.

## Wo Technik hilft und wo nicht

Erkennungswerkzeuge für Videokonferenzen gibt es, und manche können manipulierte Streams markieren. Für besonders gefährdete Rollen lohnt eine Prüfung. Das BSI weist aber ausdrücklich darauf hin, dass automatische Detektoren schlecht auf neue Fälschungsverfahren verallgemeinern. Eine Kontrolle, die darauf baut, dass Software die Fälschung erkennt, versagt genau dann, wenn der Angreifer etwas Neues nutzt.

Bessere Investitionen sind unspektakulär: erzwungene Freigabe-Workflows im Zahlungssystem, Warnungen bei geänderten Bankdaten und ein Verzeichnis, das Mitarbeitende schnell erreichen. Wer solche Prüfungen in Finanz- oder Chatwerkzeuge einbauen will, kann sich an ein Studio wie [OnlineBuilders](https://onlinebuilders.biz/solutions/cyber-security) wenden.

Für die menschliche Seite lies [KI-Stimme erkennen](https://fake-ai.com/de/stimmen-und-betrug/ki-stimme-erkennen/) und die Checkliste [Deepfake erkennen](https://fake-ai.com/de/bilder-und-video/deepfake-erkennen/). Dieselbe Rückruf-Logik schützt auch Familien, wie der Ratgeber zum [Schockanruf mit KI-Stimme](https://fake-ai.com/de/stimmen-und-betrug/schockanruf-ki-stimme/) zeigt. Der erste Schritt für deine Firma ist kurz: die Ein-Satz-Regel aufschreiben, von der Geschäftsführung an alle schicken lassen und in die Freigabemaske des Zahlungssystems einbauen.

## Häufige Fragen

### Wie lief der Deepfake-Betrug bei Arup ab?

Ein Finanzmitarbeiter in Hongkong bekam eine Nachricht, scheinbar vom Finanzvorstand in London, über eine vertrauliche Transaktion. In einer Videokonferenz mit dem vermeintlichen Finanzvorstand und weiteren Kollegen, alle künstlich erzeugt, wurde er angewiesen, 15 Überweisungen über insgesamt rund 200 Millionen Hongkong-Dollar auf fünf Konten zu tätigen.

### Zahlt die Versicherung bei CEO-Fraud?

Das hängt vom Vertrag ab. Manche Policen behandeln Zahlungen, die Mitarbeitende freiwillig ausgelöst haben, als Social-Engineering-Schaden mit eigenen, oft niedrigeren Grenzen. Lies die Bedingungen, bevor du sie brauchst.

### Welche Abteilungen werden am häufigsten angegriffen?

Alle, die Geld bewegen oder Bankdaten ändern können: Buchhaltung, Kreditorenbuchhaltung, Treasury und Assistenzen der Geschäftsführung. Personal und Lohnbuchhaltung erhalten Anfragen, Gehaltskonten zu ändern.

### Hilft ein Codewort im Unternehmen?

Es kann helfen, skaliert aber schlecht und sickert leicht durch. Ein festes Rückrufverfahren mit Nummern aus dem internen Verzeichnis ist verlässlicher, weil niemand ein Geheimnis hüten muss.

Foto: Project Kei, CC BY-SA 4.0 (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90881588)